Lebererkrankungen – Hepatologie

Der Verdacht auf eine Leberkrankheit entsteht häufig durch Routineblutentnahmen bei Ihrem Hausarzt, wenn erhöhte Leberwerte auffallen. Nicht jeder erhöhte Leberwert ist jedoch mit einer Erkrankung gleichzusetzen und kann völlig harmlose Ursachen haben. Es sollte jedoch Anlass sein, eine mögliche ernste Lebererkrankung durch einen Spezialisten klären zu lassen.

Lebererkrankungen können viele unterschiedliche Ursachen haben: Neben Hepatitis-Viren und Toxinen wie Alkohol und bestimmten Medikamenten können auch Übergewicht, Erkrankungen des Stoffwechsels oder sogenannte Autoimmunerkrankungen die Leber schädigen. Die Aktivität einer Lebererkrankung kann in der Regel durch Blutentnahmen, das Stadium durch eine Ultraschalluntersuchung bestimmt werden. In einigen Fällen ist jedoch auch eine Probenentnahme notwendig (sogenannte Leberbiopsie), die ich ambulant in meiner Praxis durchführe.

Es ist wichtig, den Grund einer Lebererkrankung mit ärztlicher Hilfe herauszufinden, da es nicht das eine Allheilmittel für sämtliche Erkrankungen gibt. Je nach Ursache wird eine Leberkrankheit ganz anders behandelt – was bei der einen Erkrankung nützt, ist bei einer anderen sinnlos oder sogar schädlich.

Bei Hepatitis B und C handelt es sich um Infektionen mit Viren, die entweder durch die Mutter (die meist gar nichts von ihrer Erkrankung weiß) unter der Geburt oder durch Übertragungen von Blut oder Blutprodukten oder auch sexuell übertragen werden können. Häufig fällt eine frische Infektion gar nicht auf, da sie keine oder nur leichte Symptome verursacht. Entweder heilt nun die Krankheit folgenlos aus, oder es entwickelt sich eine chronische, d.h. über Jahre im Körper schwelende Erkrankung. Auf Dauer kann durch die Hepatitisviren das normale Lebergewebe allmählich zerstört und durch Narbengewebe ersetzt werden (Fibrose). All dies kann völlig unbemerkt ablaufen.

Wenn die Leber überwiegend aus Narbengewebe besteht (Zirrhose), geht die Funktion der Leber (z.B. des Entgiftens) allmählich verloren, sodass sich Denkstörungen entwickeln können. Außerdem sucht sich das normalerweise durch die Leber fließende Blut Umwege z.B. durch dick erweiterte Krampfadern in der Speiseröhre, die lebensbedrohlich bluten können. Zu allem Übel ist eine chronische Virushepatitis auch immer ein Risiko für die Entstehung eines Leberkrebses insbesondere bei der Hepatitis C.

Es gibt aber auch Patienten, bei denen zwar eine chronische Infektion besteht, allerdings keiner oder nur ein minimaler Leberschaden droht. Es muss also nicht zwingend jede chronische Virushepatitis behandelt werden (insbesondere bei der Hepatitis B).

Es ist daher wichtig, eine chronische Virushepatitis frühzeitig zu erkennen und -falls nötig- zu behandeln, um Spätkomplikationen zu vermeiden. Dazu werden virushemmende Mittel eingesetzt oder Wirkstoffe, welche das Immunsystem anregen. Für diese Art von Behandlung ist besondere Erfahrung des Arztes und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient nötig. Besonders die Behandlung der Hepatitis C mit Interferon und evtl. modernen, äußerst wirksamen virushemmenden Mitteln führt praktisch bei jedem Patienten zu deutlichen Nebenwirkungen bei allerdings sehr guten Heilungschancen. Mein Team und ich sind in allen gängigen Formen dieser Behandlung erfahren und begleiten Sie während der Behandlung zum Teil sehr engmaschig, um einen optimalen Therapieerfolg zu erzielen.

Nach aktuellen Daten leiden bis zu einem Drittel aller Menschen in der westlichen Welt an eine Fettleber. Dabei wird in den Leberzellen Fett in Form von kleinen Tröpfchen eingelagert. Dieses kann zu zunächst harmlosen Erhöhungen z.B. der sogenannten gamma-GT im Blut führen. Meist tritt eine Fettleber bei übergewichtigen Patienten auf, ein Teil der Patienten hat jedoch normales Gewicht. Bei stärker ausgeprägten Formen reagiert die Leber auf das überschüssige Fett mit einer Entzündungsreaktion, der Fettleberhepatitis. Hierbei können auch andere Leberwerte wie GPT und GOT erhöht sein. Eine Fettleberhepatitis ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die sogar in eine Zirrhose münden kann. Bei Fettlebererkrankungen durch Übergewicht versucht man, das Gewicht durch eine Ernährungsumstellung schonend abzubauen.

Ist die Leber durch Toxine belastet wie z.B. Alkohol, hilft natürlich nur konsequenter Verzicht.

Häufig treten Veränderungen der Leberwerte auch dann auf, wenn Sie aufgrund einer anderen Erkrankung (z.B. Herzkrankheiten oder Bluthochdruck) Medikamente einnehmen müssen und diese Ihre Leber belasten. In diesen Fällen helfe ich Ihnen, das oder die auslösenden Medikamente zu identifizieren und andere Ursachen einer Leberwerterhöhung auszuschießen. Bitte setzen Sie keinesfalls in Eigenregie wichtige Medikamente ab, nur weil Ihre Leberwerte erhöht sind, sondern klären Sie dies zunächst mit Ihrem Arzt.

Seltener sind Autoimmunerkrankungen der Leber (Autoimmunhepatitis) oder der Gallenwege (primär-sklerosierende Cholangitis (PSC) bzw. primäre biliäre Zirrhose (PBC)). Dabei greift das eigene Immunsystem die Leber an, die genauen Ursachen sind nicht gesichert. Die dadurch ausgelöste Entzündungsreaktion führt unbehandelt zu einer Leberzirrhose, das heißt, die Erkrankung endet ohne Behandlung tödlich. Es gibt verschiedene Unterformen der Autoimmunhepatitis und Überlappungen mit Erkrankungen der Gallenwege. Der Verdacht entsteht bei erhöhten Leberwerten und dem Nachweis typischer Antikörper im Blut, nach denen speziell gesucht werden muss. Meist muss dann bei einem konkreten Verdacht noch eine Probeentnahme aus der Leber erfolgen (sogenannte Leberbiopsie).

Es gibt viele weitere, seltene Erkrankungen der Leber wie z.B. die Erbkrankheit Hämochromatose, die zum Teil durch Blutuntersuchungen geklärt werden können, z.T. ist jedoch auch eine Leberbiopsie nötig.

Bitte bringen Sie unbedingt Voruntersuchungen (Ultraschall, eventuell CT oder Kernspin der Leber), Blutwerte und eine genaue Liste der eingenommenen Medikamente (auch: naturheilkundliche Mittel etc.) mit. Wenn schon mal eine Leberbiopsie durchgeführt wurde, benötige ich einen Ausdruck der feingeweblichen Untersuchung (Histologie). Sie ersparen sich viel Zeit und vermeiden unnötige Untersuchungen, wenn diese Befunde bei der Erstvorstellung vorliegen.